Das verborgene Wort {lesenswert}

"Waad bes dä Papp no Huss kütt!"

Ich habe dieses wunderbare Buch von einer Freundin beim Weihnachtswichteln geschenkt bekommen. Zum Glück! Denn sonst wäre ich nie in den Genuss dieser anrührenden Geschichte gekommen.

Hildegard wächst, in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, in einem kleinen Dorf, zwischen Köln und Düsseldorf, auf. Ihr Vater arbeitet in der Fabrik, die Mutter ist Putzfrau, die Oma eine strenge Katholikin, der kleine Bruder eben so, wie kleine Brüder nun mal sind. Nur der Opa fällt etwas aus dem Rahmen. Er verbringt viel Zeit mit den Kindern am Rhein, sammelt mit ihnen Buch- und Wutssteine und erzählt den beiden immer wieder Geschichten.


Hildegard liebt "Bööscher", flüchtet in Geschichten und Gedichten, legt eine Sammlung "schöner Wörter" an, strebt nach Höherem. Sie darf "op de Scholl" gehen, wird aber von ihrer Familie wie eine Aussätzige behandelt, denn sie ist anders. Sie spricht Hochdeutsch, ist klug und liest Bücher. "Häs de nix Besseres ze dun, als hie op dä fuule Huck ze lije, schrie der Vater". So ein Verhalten passt einfach nicht in diese rheinische kleinbürgerliche Provinz der Nachkriegszeit. 

"Aber wir sagten dat und wat und isch und misch, Kiresche (Kirche) und Kääze (Kerze) und folschten Jottes Wort. Eine gute gebratene Gans, mit goldener Gabel gegessen, ist eine Gute Gabe Gottes, sagte Mohren (ihr Lehrer). Keiner hatte es nachsprechen können. Bei jedem war die Jans auf der Jabel jeblieben."

Hildegard kämpft, will aus dieser Welt der Proletarier ausbrechen... ob sie es schafft, das verrate ich Euch nicht!

Die Geschichte wimmelt vor rheinischem Dialekt, das sollte der Leser wissen. Einige Wörter werden übersetzt, aber die meisten Dialoge sollte man lesen und verstehen können. 

Mein Fazit: absolut lesenswert!
Und Band 2 "Aufbruch" werde ich ganz bestimmt bald lesen!

Das verborgene Wort, Ulla Hahn, 624 Seiten, Deutscher Taschenbuch Verlag

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