Der September

Gestern Abend habe ich dieses Gedicht zum ersten Mal gehört:

Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenlautend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen,
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.


Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussels drehn sich im Kreise.
Und das vorüber schien, beginnt.
{Erich Kästner}

Dabei mußte ich an einen kleinen Ausflug mit der liebsten Nachbarin und den Kids zum nahegelegen See am vergangenen Samstag denken...

Das ist September. Das ist Herbst.
Tobende Kinder, Regenjacken, feuchter Waldboden.

Stöcke sammeln.
Am Bach spielen.


Einen Frosch fangen, um ihn gleich wieder frei zu lassen.


So schön es noch tagsüber ist, die Abende sind frisch. Es wird früher dunkel und ohne Jacke kann man das Haus nicht mehr verlassen. September, eigentlich ein Abschied. Nur, wovon? Hoffen wir also auf einen goldenen Altweibersommer, wenn wir schon nicht Abschied von einem richtigen Hochsommer nehmen können.

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